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199295

(2011) Soziale Differenzierung, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften.

Religion und funktionale Differenzierung

Wolfgang Schneider

pp. 181-210

Max Weber schreibt der Religion der jüdisch-christlichen Entwicklungslinie bekanntlich geburtshelferische Bedeutung für den evolutionären Trend zur Rationalisierung und Ausdifferenzierung unterschiedlicher gesellschaftlicher Sphären zu. Besonderes Gewicht legt er dabei auf die ethische Rationalisierung der Lebensführung, die ihm – angetrieben durch religiöse Heilsinteressen – als spezifisch okzidentale Grundlage für die Herausbildung des modernen Gefüges institutioneller Ordnungen gilt. In der berühmten "Zwischenbetrachtung" der "Gesammelten Aufsätze zur Religionssoziologie" hebt er zugleich das Spannungsverhältnis hervor, das mit fortschreitender Ausdifferenzierung zwischen der religiösen Sphäre einerseits sowie den je spezifischen Eigengesetzlichkeiten der "ökonomischen, politischen, ästhetischen, erotischen und intellektuellen Sphäre" andererseits entstehe (vgl. Weber 1920: Inhaltsübersicht zu 542ff.). Die Ausnahmestellung des asketischen Protestantismus zeigt sich hier in der in seiner Berufsethik verankerten Forderung zur "Mitarbeit an den durch Gottes Schöpfung gesetzten sachlichen Zwecken der rationalen Zweckverbände der Welt" (Weber 1980: 329; Hervorhebung im Original), die diese Spannung auflöst, indem sie innerweltlich-rationales Handeln aus spezifisch religi ösen Motiven explizit verlangt.

Publication details

DOI: 10.1007/978-3-531-93143-2_9

Full citation [Harvard style]:

Schneider, W. (2011)., Religion und funktionale Differenzierung, in T. Schwinn, C. Kroneberg & J. Greve (Hrsg.), Soziale Differenzierung, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, pp. 181-210.

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